Motorsägenlehrgang

Im Dezember 2007 meldete ich mich dann zu einem Motorsägenlehrgang bei meinem zuständigen Forstamt an. Zum damaligen Zeitpunkt war noch nicht klar, ob man diesen Schein auch zur Verarbeitung von liegenden Holz benötigt. Andererseits wollte ich mir aber auch die Möglichkeit offenhalten, doch wieder Bäume selber zu fällen. Mittlerweile vergibt der Förster ohne Motorsägenschein überberhaupt kein Holz mehr, weder liegend noch stehend.

Der Spaß hat dann auch gleich fast 100 Euro gekostet, war aber wie alle Teilnehmer schließlich festgestellt haben, jeden Euro wert.

Zuerst habe ich natürlich geschluckt, als ich die Teilnahmebedingungen (Schnittschutzkleidung, Sicherheitsschuhe, Schutzhelm) hörte. Da waren nochmal locker 250 Euro weg.

Als aber dann einer von uns beim praktischen Sägeneinsatz blitzschnell beim Ausasten mit der laufenden Motorsäge an sein Schienbein kam, hat niemand mehr über die teueren Schnittschutzhosen diskutiert. Sofort musste ich daran denken, wie ich jahrelang mit Jeans und kurzem Hemd und ganz normalen festen Schuhen, mutterseelenalleine mitten im unzugänglichen Wald mit der Motorsäge zu Gange war. Da glücklicherweise nie was passiert war, bin sich sicher immer unvorsichtiger geworden.

Der Lehrgang dauerte volle 2 Tage und wurde von 2 erfahrenen Forstwirten durchgeführt. Was da geboten wurde, war eine Mischung aus lebendigem Unterricht, erklärenden Videos und viel praktischer Arbeit mit der Säge im Wald. Auch die Wartung der Säge wurde nicht nur besprochen, sondern am Gerät selbst (natürlich einer professionellen Stihl) vorgeführt. Die Motorsäge wurde soweit zerlegt und wieder zusammengebaut, wie das eben außerhalb einer Werkstatt, nur mit einem Spannschraubstock und einem Spannkloben auf der Pritsche des Transporters möglich ist. Auch das Kettensägen  schärfen mit der Rundfeile und ähnliche praktische Wartungs- und Pflegemaßnahmen wurden vorgeführt, bzw. mussten einige Teilnehmer dann auch selbst durchführen. Eine sehr interessante Anleitung zum Schärfen der verschiedenen Sägeketten gibt es übrigens hier : http://www.kox-direct.de/Tipps-vom-Profi.htm?websale7=kox&tpl=01-aa/page_tipps.htm

Begleitend zum Lehrgang gab es noch eine gedruckte Zusammenfassung mit Tipps und Tricks wie sie zuvor im Lehrgang behandelt wurden wie: Welcher Sprit, welches Kettenöl, welche Kettenform für welchen Einsatzzwecks, Werkzeuge und Hilfsmittel usw.

Bei meinem Lehrgang waren 6 Leute der städtischen Versorgungsbetriebe dabei, die auch mal bei entsprechenden Schadensereignissen mit dem Hubsteiger raus müssen um umgestürzte Bäume mit der Motorsäge aus Stromleitungen zu entfernen. Für die Leute waren insbesondere die physikalischen Grundsätze wie zum Beispiel Spannung auf dem Stamm und arbeiten unter Extrembedingungen mehr als hilfreich.

Alles in allem kann ich nur jedem diesen Kettensägenlehrgang bei Profis, die tatsächlich täglich im Wald arbeiten, wärmstens empfehlen.

Zum Abschluss musste wirklich jeder Lehrgangsteilnehmer zwei Bäume fällen, deren Durchmesser die Schwertlänge der Motorsäge überschritt und somit zwangsläufig die zuvor in Theorie und Video dargestellte Technik anwenden. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass irgend ein Baumarktlehrgang das gleiche anbieten kann

Kurzlehrgänge bei irgendwelchen Herstellern oder Baumärkten können sich sehr rasch als nutzlose Geldausgabe herausstellen. Schließlich geht es nicht nur um den Berechtigungsschein, sondern hauptsächlich um die Gesundheit und die Vermeidung von Gefahren.